Umjubelte Premiere von „Juno und der Pfau“


Der Start des Ensembles von Klassik am Meer in die 21. Spielzeit hätte nicht erfolgreicher sein können. In der restlos gefüllten Kirche von Koserow erlebte ein phasenweise geradezu erschüttertes Publikum eine Neuinszenierung von Sean O’Caseys Schauspiel „Juno und der Pfau“, die der Berliner Gastautor Philip Tiedemann besorgt hat. Die anspannte Konzentration in rund 100 Minuten eines zerrütteten Familienlebens entlud sich in nicht enden wollendem Applaus, Bravorufen und der später am Abend formulierten Bitte an Tiedemann, doch auch künftig an der Usedomer Klassik mitzuwirken.

Für schauspielerische Glanzlichter - gesprochen und gesungen, getanzt, gebrüllt und gelallt – hatte zuvor neuerlich ein glänzend aufgelegter Peter Bause als Käptn Jack Boyle gesorgt. An seiner Seite gab sich ein kongeniales Schauspielerensemble keine Blöße. Es wusste durchweg zu überzeugen und lieferte eine Teamproduktion ab, die Maßstäbe setzt. Und das weit über die nordöstliche Provinz hinaus. Wer Kultur auf der Sonneninsel erleben will, kann und darf im Sommer 2019 an diesem Stück nicht vorbei gehen.

Das Spiel lässt keinen Betrachter kalt. Und nicht nur Dramaturg Jörg Mihan findet, dass die Figuren Profil haben, les- und spürbar sind sowie überraschend widerspruchsvoll lebendig. Da die gesamte Tragödie mit unzähligen großartigen komödiantischen Elementen zeitlos ist und ebenso gut im Hier und Heute spielen könnte, ist alles Geschehen auf der kleinen Bühne unglaublich nah.

Hervorhebenswert auch Licht und Ton in Perfektion (Ringo Behn) sowie Bühnenbild und Kostüme (Alexander Martinow). Ein Erlebnis!

STEFFEN ADLER