Regisseur Thomas Wingrich im Interview

11 Jun 2017

 

 

 

 

 

 

Thomas Wingrich wird in der Spielzeit 2017 Shakespeares "Romeo und Julia" bei Klassik am Meer inszenieren und wir haben den Regisseur zu dem Stück befragt:

 

Klassik am Meer: Romeo und Julia ist sicher das bekannteste Stück von Shakespeare. Vor allen Dingen, weiß jeder Besucher wie der Plot, wie man neudeutsch sagt, ausgeht. Ist es nicht besonders kompliziert, die Spannung an der Geschichte aufrecht zu erhalten?

 

Thomas Wingrich: Das glaube ich nicht, da es ein großartiges und zutiefst berührendes Drama von Shakespeare ist und bleibt, so bekannt der Ausgang der Geschichte auch sein mag. Die Frage, WIE es dazu kommen konnte, bleibt immer spannend. Es kommt auf all die Details an, die Wiedererkennung menschlichen Verhaltens in den handelnden Figuren, die unveränderte Aktualität und die vielen kleinen versteckten Geschichten innerhalb der großen Parabel.

 

Klassik am Meer: Der Regisseur Claus Peymann hat gesagt, Shakespeare sei der Himalaya der Weltliteratur.

Mit welchen Gefühlen machst Du Dich in diesem Zusammenhang an das berühmte Stück?

 

Thomas Wingrich: Ja, es ist ein wie großer schöner Berg, voller Geheimnisse und Herausforderungen – immer noch, obwohl ich schon sehr lange die Idee dieser Inszenierung mit mir herumtrage. Mit Respekt und Liebe zu der Geschichte versuchen wir ihn zu erklimmen. Und da ist es das Beste, sich daran zu orientieren, was ich über Reinhold Messner las – er geht langsam, aber mit Konsequenz.

 

Klassik am Meer: Die berühmte Shakespeare-Bühne war sehr einfach. Lichteffekte entfielen, weil schon 15 Uhr mit dem Spiel begonnen wurde. Wird heute am Stadttheater Shakespeare inszeniert, kann der Aufwand nicht groß genug sein. Die Spielfläche im Altarraum der Kirche von Koserow erlaubt das nicht und bedeutet a priori fast einen Rückgriff auf das Theater des 16. Jahrhunderts. Ist das eine besondere Chance oder eine sehr unglückliche Einschränkung für eine Inszenierung?

 

Thomas Wingrich: Ich sehe es als besondere Chance. Wir verfügen zwar nicht über viele technische Effekte, aber die Feldsteinkirche ist ein besonderer und reizvoller Raum – sie spielt mit. Und dann lebt gutes Theater, wie ich es sehe, zu allen Zeiten von guten

Schauspielern – das ist die Hauptsache, und ich habe die Freude, mit einem wunderbaren Ensemble zu arbeiten.

 

Klassik am Meer: Sechs Wochen Probenzeit in Berlin stehen zur Verfügung, 4 Tage Proben unter originalen Bedingungen. Wie gehst Du an die, bzw. löst Du die daraus entstehenden Probleme?

 

Thomas Wingrich: Natürlich würde ich mir mehr Probenzeit unter originalen Bedingungen wünschen. Aber die auftretenden Probleme sind auch so lösbar – da ist die Vorstellungskraft aller Mitwirkenden gefragt und gefordert, was ja eine Grundvoraussetzung ist, um Theater zu machen.

 

Klassik am Meer: Seit der Uraufführung 1595 hat wohl die Mehrzahl aller Regisseure aus der Szene, wo Julia am Fenster erscheint, die legendäre „Balkonszene“ gemacht. Manche Bühnenbildner lassen extra Kräne auf die Bühne bugsieren, um anzudeuten, wie schwer es für Romeo ist seine Geliebte zu erreichen.  Meine Frage: was gibt es 2017 in Koserow? Fenster, Balkon, die fast unüberwindbare, große Mauer (die der Dichter auch erwähnt)...?

 

Thomas Wingrich: Das werde ich nun vor der Premiere kaum verraten. Wir freuen uns über unsere Möglichkeiten in der Kirche – die Zuschauer dürfen gespannt sein.

 

Klassik am Meer: Vielen Dank für das Interview.

 

 

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